Löst Tagging einfache Ordner-Hierarchien ab?
Mittlerweile ist bekannt, dass über 28% der us-amerikanischen Bevölkerung Ihre und andere Inhalte im Web mit Tags versehen. Tendenz steigend. Sie bevorzugen die Tag-Verwaltung gegenüber einer einfachen Ordner-Hierarchie. Quelle: Spiegel Online
Sie haben erkannt, dass man beispielsweise eine Online-Magazin über PCs besser mit den Tags “Computer”, “Magazin”, “News” und “PC” versehen kann, als sich mit einer komplexen Ordner Hierarchie auseinander zu setzen und lange zu überlegen, ob die Website nun im Ordner “Online-Magazine” oder doch im Ordner “Computer/PC” abgelegt werden soll.
Das Internet ist viel zu umfangreich, um es in Schubladen einzuteilen. Die Themenvielfalt einer Website ist manchmal viel zu groß, um diese einer einzigen Kategorie zuzuteilen. Dies gilt nicht nur für Websites, sondern auch für Medien, wie Bilder oder Videos.
del.icio.us (amerikanischer Social Bookmarking-Service), Youtube (Video-Plattform) und Flickr (Foto-Community) haben den Bedarf dieser neuen Archivierung sehr früh erkannt uns setzten von Anfang an auf Tagging-Systeme. So können die Anwender dieser Dienste selbst entscheiden, wie sie ihre Inhalte dort archiviert.
Gerade beim Teilen und Suchen hat das Tagging-System einen entscheiden Vorteil. Die Suchen solcher Dienste bauen auf das Tagging-System auf. Da die Anwender die Inhalte nach Ihren Bedürfnissen mit Tags versehen haben, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Suche zuverlässige Ergebnisse liefert. Außerdem können Anwender sehen, mit welchen Themen sich andere Anwender auseinander setzen. Dies geschieht mithilfe sog. Tag-Wolken (engl. tag clouds). Diese spiegeln in der Schriftgröße wieder, wie oft ein Tag benutzt wird. So erkennt man direkt die Schwerpunkte eines Benutzers oder einer gesamten Community.
Das Tagging-System leidet aber auch noch an Kinder-Krankheiten. Es ist relativ neu und nicht jeder weiß damit umzugehen:
- Eines der größten Probleme ist die Sprache. Sowohl “News” und “Nachrichten” dürften die selben Inhalte enthalten – deutsche und englische Inhalte werden sich wohl in beiden Tag-Übersichten befindet. Das weiß leider nicht jeder.
- Das nächste Problem würde auftreten, wenn sich ein Anwender auf genau ein Thema spezialisiert hat und nur Bookmarks zu diesem einem Thema sammelt. Beispiel: Der Anwender Fritz speichert ausschließlich Bookmarks über Autos. Er wird sicherlich Tags wie “Motorsport”, “Mercedes”, “Messe”, “ABS” verwenden. Jedoch weiß er selbst am besten, dass seine Sammlung nur Bookmarks zum Thema Autos enthält – daher wird der Tags “Auto”, oder “Autos” wohl nicht in seiner Tag-Wolke zu finden sein. So wird bei einer Tag-basierten Suche nach Autos seine evtl. nützlichste Bookmarksammlung nicht zu finden sein.
Weiterlesen:
- LinkARENA Blog: Nutzen Sie Tags für noch mehr Übersicht
- LinkARENA Blog: Mit Tag-Vorschlägen schneller Bookmarks “taggen”
- LinkARENA Blog: Tipps fürs Tagging
- Tagging im Trend – Gemeinsam besser finden
- Einführung – was sind eigentlich Tags?
- Wikipedia: Wortwolke
- Was sind “Tags” (Verschlagwortung)?
- Für Fortgeschrittene: Tagging-Systeme: Probleme und Lösungsansätze

Ppoker Gott
Meine Mutter weiß jetzt endlich, dass man auf Links nicht doppelklicken muss. Sie hat langsam ein Grundverständnis für ihren PC und den Umgang mit dem Internet entwickelt.
Die hierarchische Struktur hat sie dabei ebenfalls gelernt: Egal ob die Ordnerstruktur des Dateisystems, verschachtelte Menüs oder einfache Windows Fenster, die einen TreeView beinhalten. Das ist eine ziemlich nützliche Analogie beim zurechtfinden auf Webseiten. Ich glaube nicht, dass sie jemals verstehen wird, was es mit Tagclouds auf sich hat. Aber sie will ja auch nicht stöbern, sondern steuert meistens relativ zielsicher auf die gewünschte Seite.
Das ginge mit einer Tag-Suche wohl auch – vielleicht sogar schneller – aber wie oben geschrieben haben, taggt jeder anders.
Ich glaube das ist einfach zu tief drin, im Grundverständnis vieler Internetnutzer. Eine kombinierte Lösung, wie amazon.com es tut halte ich für eine sehr gute Lösung.
PermalinkMisses Linkfire
Schöner Artikel zu diesem Thema.
Wie mein Vorschreiber schon bemerkt, hängt dies von der Zielgruppe ab. Die älteren Semester denken und klicken noch streng hierarchisch.
Die Internetuser2.0 ;-) gehen mit Tags ganz selbstverständlich um. Was IMHO aber auch noch gelernt werden muss, ist man taggen sollte. Singular vs. Plural; zusammenhägende Begriffe wie Web2.0 oder Social_Bookmarking.
Teilweise unterscheiden sich da die Systeme und führen mitunter zu seltsamen Tag-Wolken.
PermalinkMartin
“zusammenhägende Begriffe” – das Thema finde ich recht spannend. Während einige denken, dass “Social” und Bookmarking” auch getrennt noch sinnig sind, meinen andere widerum, dass es sinnlose Spalterei ist, die den Umfang der Tags einfach nur zu groß machen.
Permalinkman
90 Milliarden Fliegen taggen “Scheiße” als “Mahlzeit” …
50 Millionen Irre “Deutschland sucht den Superstar” als “anspruchsvolle Musiksendung”.
Die Pornoindustrie taggt ihre Filmchen mit dem Prädikat “Anpsruchsvoll”.
Wer Tagging benutzt dem muss glasklar sein, das er entweder sehr, sehr genau wissen muss was er sucht, oder es ihn viel Zeit kostet, oder es lieber bleiben lässt.
Wie sehr wünschte ich mir z.B. dass ich unter Youtube einfach mit 4 Klicks über eine gepflegte Kategorie zu finden was ich suche.
(nur ein erfundenes Beispiel: Musik->Pop->Originalvideos->Beatles)
Ganz einfach, ohne 70% “falsche” Ergebnisse zu haben. Sobald die Spammer und Werber das Prinzip verstanden haben, werden 99,9% Falsch, Fake und Spam sein… zum Glück sind das nicht die Hellsten und es dauert immer bisserl, aber früher oder später werden youtube, flickr, del.icio … und wie sie alle heissen … wie Butter im Spamfeuer zerschmelzen, da es zu teuer ist den ganzen usergenerierten Schrott von Hand zu kontrollieren.
Eine Suchmaschine hat viele Schrauben zum drehen, um den Wert einer Webseite und seiner Treffer zu bestimmen. Aber wie soll das z.B. mit von Usern getaggten Videos gehen, ohne diese zu kontrollieren?
Dieser ganze Web 2.0 Community bla-blubb Hype ist schön um seine schlechte und veraltete Software mit einem traurigen Businessplan über ahnungslose und gierige Banker zu Geld zu machen.
Sicher wird es am Ende ein paar Seiten geben, die mit dem Konzept sogar Geld verdienen. Der große Rest wird einfach verschwinden oder als Leiche im Netz dahinvegetieren … haben wir 2001/2002 alles schon gehabt.
Sorry, echter nützlicher, gepfleger Content ist das Einzige, das eine Webseite auf Dauer wertvoll macht. Tagging kann da nur ein Feature sein.
PermalinkMartin
Also ich bin mit den Ergebnisse bei Youtube, Flickr und Co recht zufrieden.
Zum Thema saubere Kategorien: Ich möchte nicht derjenige sein, der einen Haufen Ärger von Metal Core Fans bekommt, weil ich Ihre Lieblingsband unter Hardcore eingeordnet habe. Wer soll für solche Kategorien also verantwortlich sein. Welche Kategorien haben Recht auf Existens? Soll man sowas einem Moderator(en-Team) überlassen? Wie umfangreich werden wohl Kategorieübersichten zu Musikrichtungen order Geschichte? Wie will man verwandte Kategorien ermitteln?
Meine Meinung: Das Kategorie-System ist viel zu beschränkt um viele verschiedene Inhalte darin unterzubringen.
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